Hitzewallungen

Hitzewallungen in den Wechseljahren

Die Schwankungen der Sexualhormone in den Wechseljahren rufen bei ungefähr 2/3 aller Frauen Beschwerden hervor. Neben plötzlichen Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen machen vielen Frauen besonders plötzlich auftretende Hitzewallungen zu schaffen. Ungefähr 7 von 10 Frauen sind individuell in unterschiedlicher Intensität betroffen.

Wie macht sich eine Hitzewallung bemerkbar und wie lange dauert sie an?

Jetzt geht das schon wieder los! Plötzlich ist Ihnen heiß und Ihr Gesicht fängt an zu glühen. Und Sie sitzen mitten in einer Besprechung. Wie peinlich! Hitzewallungen kündigen sich nicht an und treten unabhängig von der Umgebungstemperatur auf – manchmal zu den unpassendsten Momenten. Die plötzliche Hitze beginnt häufig im Gesicht oder am Kopf. Von dort breitet sie sich wellenförmig über den Brustbereich und Oberkörper, teilweise sogar über den ganzen Körper hinweg, aus. Als Folge der Hitze reagiert der Körper mit Hautrötungen.

Die Hitzewallungen werden oft durch Schwindel sowie teils heftiges Herzklopfen begleitet. Letzteres ist zwar unangenehm, hat jedoch nichts mit Herzproblemen zu tun und ist kein Grund zur Beunruhigung. Um die Körpertemperatur zu regulieren, produziert der Körper zusätzlich Schweiß. Es entsteht Verdunstungskälte. Deshalb sind Hitzewallungen zumeist mit Schweißausbrüchen und anschließendem Frösteln verbunden. Nach etwa 3-6 Minuten verschwindet die Hitzewallung wieder.

Ursachen für Hitzewallungen: Hormone sorgen für Chaos

Die genaue Ursache von Hitzewallungen ist noch nicht bekannt. Es wird allerdings vermutet, dass Hitzewallungen durch einen Fehler bei der Regulierung der Körpertemperatur entstehen. Ort des Geschehens ist das vegetative Nervensystem im Gehirn. Es kontrolliert lebenswichtige Körperfunktionen, wie die Atmung, den Stoffwechsel und eben auch die Körpertemperatur. Diesen Teil unseres Nervensystems können wir nicht bewusst steuern.

Im Normalfall veranlasst das Gehirn bei zu hoher Körpertemperatur eine Erweiterung der Blutgefäße in der Haut. Nun kann mehr Blut durch die Haut fließen und Körperwärme abgeben. Die Körpertemperatur sinkt. An dieser Stelle kommen die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron ins Spiel. Denn sie sind wichtige Botenstoffe im Gehirn. Schwankt nun aber die Hormonkonzentration im Gehirn, kann dies zu Chaos führen. Offenbar wertet das Gehirn die Hormonschwankungen während der Wechseljahre fälschlicherweise als Signal für Überhitzung. Obwohl eine normale Körpertemperatur vorliegt, löst es dann eine Kettenreaktion aus. Durch die Gefäßerweiterung verteilen sich größere Mengen Blut im Körper. Dies führt zu Blutdruckerhöhung, Hautrötungen und einem plötzlichen Anstieg der Temperatur. Und schon rollt die Welle über Sie hinweg…

Stresshormone tragen vermutlich ebenfalls zur Entstehung von Hitzewallungen bei. Doch auch äußere Einflüsse können die Entstehung von Hitzewallungen fördern. Dazu zählt insbesondere eine zu warme Umgebungstemperatur. Diese entsteht schnell, wenn der Körper in zu warme und nicht atmungsaktive Kleidung gepackt wird.

Weitere Faktoren, die Hitzewallungen auslösen, sind

  • bestimmte Medikamente,
  • starker Kaffee oder Tee,
  • sowie scharfe Gewürze
  • und Alkohol.

Wann treten Hitzewallungen auf und wie lange dauern die Beschwerden?

Bei den meisten Betroffenen beginnen die Hitzewallungen im Zeitraum der letzten Regelblutung, der Menopause. Oftmals halten die Beschwerden über mindestens 1 Jahr hinweg an. Verzweifeln Sie nicht! Am Anfang sind die Hitzewallungen meistens am schlimmsten. Aber im Lauf der Zeit werden sie immer schwächer und treten immer seltener auf. Nach zirka 4-5 Jahren verschwinden die Hitzewallungen dann normalerweise von selber wieder.

Wie hart es Sie trifft, ist schwer zu sagen. Denn zu welcher Tages- oder Nachtzeit und wie heftig die Hitzewallungen auftreten, ist von Frau zu Frau verschieden. Außerdem hat jede Frau gute und schlechte Tage mit mehr oder weniger Beschwerden. Wenn Sie Glück haben, treten nur 2 Hitzewallungen am Tag auf. Aber auch 30 Hitzewallungen innerhalb von 24 Stunden können normal sein. Häufig werden diese Attacken von starkem Schwitzen begleitet. Manchmal bilden sich die Schweißperlen nur auf den Nasenflügeln oder unter dem Auge. Gelegentlich sind aber das ganze Gesicht oder auch der gesamte Körper betroffen. In diesem Fall sind feuchte Kleidung und nassgeschwitzte Haare vorprogrammiert.

Manche Betroffenen werden nur morgens von Hitzewallungen erfasst. Einige Frauen leiden jedoch unter ständigen oder auch nächtlichen Hitzewallungen. Vor allem bei zusätzlichen Schweißausbrüchen ist der Alltag dann oftmals stark beeinträchtigt. Gerade für berufstätige Frauen bedeuten diese Situationen am Arbeitsplatz eine Herausforderung.

Behandlungsmöglichkeiten: Hilfe bei Hitzewallungen in den Wechseljahren

Abhängig von der Stärke Ihrer Beschwerden gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen die Hitzewallungen zu tun. Bei leichten und kurzen Attacken genügen möglicherweise schon einige Änderungen im Alltag, um die Beschwerden zu lindern.

Meiden Sie hitzewallungs- und schweißausbruchsfördernde Faktoren. Dazu gehören Hektik und Stress ebenso wie Übergewicht. Auch gefäßerweiternd wirkende Genussmittel können die Entstehung von Hitzewallungen begünstigen. Dazu zählen vor allem Kaffee, Schwarztee und Alkohol sowie das Rauchen.

Tipps für den Alltag: so haben Sie endlich Hitzefrei!

Meiden Sie hitzewallungs- und schweißausbruchsfördernde Faktoren. Dazu gehören Hektik und Stress ebenso wie Übergewicht. Auch gefäßerweiternd wirkende Genussmittel können die Entstehung von Hitzewallungen begünstigen. Dazu zählen vor allem Kaffee, Schwarztee und Alkohol sowie das Rauchen.

Abwechslungsreiche und gesunde Ernährung

Häufig treten Hitzewallungen nach dem Essen auf. Vor allem sehr heiße und scharf gewürzte Speisen sind mit Vorsicht zu genießen. Der Grund dafür ist die gefäßerweiternde Wirkung, welche die Entstehung von Hitzewallungen unterstützt. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind deshalb während der Hormonumstellung wichtig.

  • Mit regelmäßigen Mahlzeiten und genügend Zeit zum Essen können hitzewallungsfördernde Blutzuckerschwankungen vermindert werden.
  • Würzen Sie mit frischen Kräutern anstatt scharfe oder sehr intensive Gewürze zu verwenden.
  • Sojaprodukte enthalten Isoflavone. Diese pflanzlichen Substanzen entfalten im Körper eine hormonähnliche Wirkung. Deshalb können sie bei manchen Frauen eine positive Wirkung auf Wechseljahresbeschwerden haben.
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Mit Bewegung und Sport durch die Wechseljahre

Regelmäßige Bewegung ist gut für Gesundheit und Wohlbefinden. Auch Wechseljahresbeschwerden lassen sich damit lindern. Wichtig ist, dass Sie Spaß daran haben und sich nicht überfordern.

  • Die körpereigene Temperaturregulation wird gestärkt, infolgedessen werden Hitzewallungen reduziert.
  • Stresshormone werden abgebaut, dadurch wird das Wohlbefinden gesteigert.
  • Übergewicht kann leichter reduziert bzw. das Idealgewicht gehalten werden.

Mit Entspannung und Ruhe durch den Alltag

Die Wechseljahre sind von körperlichen und sozialen Veränderungen geprägt. Deshalb ist es in dieser Lebensphase wichtiger denn je, die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Kommen Sie zur Ruhe! Das tut Ihnen gut und wirkt gleichzeitig Hitzewallungen entgegen.

  • Ein regelmäßiger Termin nur für Sie stärkt das innere Gleichgewicht, egal ob relaxende Massage oder auspowernder Sport. Stressige Situationen in Alltag und Beruf sind dann besser auszuhalten, ohne direkt in Rage zu geraten.
  • Entspannungstechniken (Yoga, Meditation oder Pilates) helfen beim Stressabbau. Auch das speziell zur Verbesserung von Wechseljahresbeschwerden entwickelte Hormon-Yoga wirkt sich bei einigen Frauen positiv aus.

Das richtige Outfit wirkt Wunder

Hat Sie aller Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz doch wieder mal eine Hitzewelle erfasst? So können Sie mit einigen Kleidungstricks im Alltag schnell wieder für Wohlbefinden und eine entspannte Situation sorgen.

  • Tragen Sie atmungsaktive und kühlend wirkende Kleidung aus Baumwolle, Seide oder Leinen. Vermeiden Sie Synthetikfasern, da diese Schwitzen eher fördern.
  • Mehrere dünne Kleidungsschichten übereinander können flexibel kombiniert und gegebenenfalls ausgezogen werden.
  • Mit Wechselkleidung, Körperpflegesets und einem kleinen Fächer sorgen Sie nach Hitzewallungen und Schweißausbrüchen schnell wieder für Frische.

Spezielle Tipps bei starkem Schwitzen im Gesicht

Schweiß auf Stirn und Oberlippe, feuchter Haaransatz: Hitzewallungen beginnen im Kopfbereich und führen dort häufig zu einem – für jeden sichtbaren – Schweißausbruch. Zu allem Überfluss verläuft auch noch das Make-up. Das wollen Sie auf jeden Fall vermeiden? So gelingt´s:

  • Verwenden Sie fettfreie Cremes zur Gesichtspflege. Fetthaltige Produkte legen sich wie ein Film über die Haut und fördern Schwitzen im Gesicht.
  • Verzichten Sie, wenn möglich, auf Make-up oder verwenden Sie nur leicht tönende Cremes, damit die Hautporen nicht verstopfen.
  • Handelsübliche aluminiumhaltige Deos sind für die Anwendung im Gesicht ungeeignet, da sie Hautreizungen verursachen. Es gibt jedoch auch spezielle Gesichts-Antitranspirantien in Form von Tüchern, welche die Schweißbildung im Kopfbereich reduzieren können.

Tipps für nächtliche Hitzewallungen

Insbesondere nachts auftretende Hitzewallungen können zu starken Beeinträchtigungen führen. Sie stören den Schlaf und erhöhen bei zusätzlichem Frieren auch noch das Erkältungsrisiko. Hilfreich ist dann ein gutes Schlafklima mit gelüfteten Räumlichkeiten und einer Raumtemperatur von 16-18 °C. Weiterhin empfiehlt sich:

  • Bettwäsche sollte atmungsaktive und kühlende Eigenschaften haben. Verwenden Sie Produkte aus Baumwolle, Seide oder Leinen.
  • Mehrere Bettdecken übereinander können je nach Wärmezustand flexibel kombiniert werden – Entfernen einer Decke wirkt Überwärmung entgegen.
  • Mit Wechselwäsche am Bett können Sie nachts ohne großen Aufwand verschwitzte Kleidung auswechseln. Damit beugen Sie Frieren vor und fühlen sich schnell wieder wohl.

Pflanzliche Mittel: natürlich wirksam gegen Hitzewallungen

Beeinträchtigen die Wechseljahresbeschwerden Ihre Lebensqualität und Ihren Alltag? Dann gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Dabei hat sich eine Reihe bewährter und gut wirksamer pflanzlicher Mittel bewährt.

Speziell zur Linderung hormonell bedingter Hitzewallungen und übermäßigem Schwitzen sind pflanzliche Arzneimittel mit dem Extrakt der Traubensilberkerzenwurzel (Cimicifuga racemosa) geeignet. Auch Stimmungsschwankungen und allgemeine Wechseljahresbeschwerden werden vermindert.

Das Gute daran: Unerwünschte Effekte auf Gebärmutterschleimhaut oder Brustgewebe sind nicht zu befürchten (1). Sind die Hitzewallungen von starken Schweißausbrüchen begleitet, kann Salbei (Salvia officinalis) mit seiner schweißlindernden Wirkung Abhilfe schaffen.

Weitere Behandlungsoptionen: Homöopathie, Akupunktur und mehr

Neben pflanzlichen Mitteln steht auch eine Reihe von Globuli zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zur Verfügung. Je nach individueller Situation und Begleiterscheinungen kann eine homöopathisch ausgebildete Fachkraft mit Ihnen gemeinsam geeignete Globuli auswählen.

  • Bei unangenehmen Gedanken oder nächtlichem Grübeln und Hitze kann beispielsweise die Einnahme von Pulsatilla (D12) die Beschwerden lindern.
  • Treten Hitzewallungen in Kombination mit Schweißausbrüchen oder Frieren auf, ist Lachesis (D12) bei einigen Frauen hilfreich.
  • Bei Hitzewallungen in Verbindung mit hohem Blutdruck und rotem Gesicht wird Sanguinaria (D12) empfohlen. Auch für Akupunktur konnte gezeigt werden, dass Hitzewallungen reduziert werden und sich die Lebensqualität verbessert. Wenn diese Form der Behandlung etwas für Sie ist, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Weiterhin wird im Bereich der physikalischen Therapien zu Wechselduschen und Moorbädern geraten.

Medikamente gegen die Hitze

Sind die Beeinträchtigungen massiv und nicht durch natürliche Behandlungsmethoden und Hausmittel gegen Hitzewallungen beherrschbar, kann der Einsatz von Medikamenten in Form einer Hormonersatztherapie für Sie sinnvoll sein. Sprechen Sie hierzu mit dem behandelnden Arzt.

Wichtig für Sie:

Wer von übermäßiger Schweißproduktion während der Hitzewallungen betroffen ist, kann auch auf sogenannte Anticholinergika zurückgreifen. Diese hemmen den für die Schweißbildung verantwortlichen Botenstoff Acetylcholin und reduzieren so die Schweißproduktion.

Quellenangaben

  1. Beer AM, Neff A. Differentiated Evaluation of Extract-Specific Evidence on Cimicifuga racemosa’s Efficacy and Safety for Climacteric Complaints. Evid Based Complement Alternat Med 2013; 2013: 860602.