Hormone ja/nein

Hormone in den Wechseljahren: ja oder nein

Selten wurde ein medizinisches Thema so heiß diskutiert, wie der Einsatz von Hormonen in den Wechseljahren. Die Verunsicherung bei Frauen und manchem Frauenarzt ist nach wie vor groß.

Bis vor einigen Jahren wurde die sogenannte Hormonersatztherapie (HRT) noch als Allheilmittel bei Wechseljahresbeschwerden und auch bei Altersleiden massenhaft verschrieben. Es bestand die irrtümliche Vorstellung, Frauen lebten nach den Wechseljahren dauerhaft in einer Art „hormonellem Mangelzustand“. Dieser sollte behoben werden. Außerdem ging man davon aus, dass die Hormone gleichzeitig auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, brüchigen Knochen und beispielsweise Demenz schützen würden. Dann der Schock! In einer großen amerikanischen Studie wurde die Einnahme von Hormonen plötzlich als zu riskant bewertet. Thrombosen, Schlaganfälle und Brustkrebs schienen unter Hormongabe demnach häufiger aufzutreten. In der Folge kam es zu einem massiven Verschreibungsstopp der HRT.

Seither wurden viele Studiendaten neu ausgewertet. Die Ergebnisse leiteten eine erneute Trendwende ein. Gerade bei Frauen im Alter von 50-59 Jahren wurden die Risiken und Nebenwirkungen wohl überschätzt. Mittlerweile werden Hormone zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden deshalb wieder häufiger eingesetzt.

Wann ist der Einsatz von Hormonen in den Wechseljahren sinnvoll?

Fest steht: Eine langfristige oder vorbeugende HRT wird mittlerweile grundsätzlich nicht mehr empfohlen. Denn das Risiko für die allermeisten Altersleiden sinkt durch die Einnahme von Hormonen nicht. Im Gegenteil. Bei langfristiger Einnahme über mehr als 5 Jahre hinweg steigt das Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfälle und Brustkrebs.

Fest steht aber auch: Bei Wechseljahresbeschwerden wie starken Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen ist die HRT gut wirksam. Und gerade diese Symptome können sehr belasten und die Lebensqualität erheblich beeinflussen. In diesem Fall kann eine HRT durchaus sinnvoll sein. Besonders berufstätige Frauen kommen dann an ihre Grenzen, wenn sie beispielsweise im Meeting eine plötzliche Hitzewallung übermannt.

Wichtig ist dabei, dass die Therapie:

  • individuell auf die Frau abgestimmt wird,
  • niedrig dosiert ist und
  • die Hormone nur über eine möglichst kurze Dauer genommen werden.

Wichtig für Sie: Starke Wechseljahresbeschwerden können mit einer niedrig dosierten Hormontherapie effektiv behandelt werden. Die Risiken gelten dabei als überschaubar.

Woher weiß ich, ob Hormone für mich in Frage kommen?

Zunächst einmal muss jede Frau für sich selber entscheiden, wie belastend ihre Wechseljahresbeschwerden eigentlich sind. Vielleicht sind sie ja über einen kurzen Zeitraum auch ganz gut auszuhalten? Denn früher oder später lassen die Probleme von alleine wieder nach.

Insbesondere bei leichten Formen kommen viele Frauen auch ohne Einnahme eines zusätzlichen Hormonpräparates durch die Wechseljahre. Beeinträchtigen die Beschwerden jedoch den Alltag, fragen sich viele Frauen: Soll ich Hormone nehmen oder nicht?

Der erste Weg führt zum Frauenarzt

Der erste Schritt zur Antwort ist dann eine gründliche gynäkologische Untersuchung bei Ihrem Frauenarzt. Im Anschluss daran sollte eine ausführliche Aufklärung über den grundsätzlichen Nutzen und mögliche Risiken der Therapie erfolgen. Gemeinsam können dann die individuellen auf Sie zutreffenden Vor- und Nachteile der HRT abgewogen werden. Worauf kommt es dabei an? Generell müssen medizinische Risikofaktoren und Vorerkrankungen bei der Überlegung Hormone ja/nein unbedingt berücksichtigt werden.

Dazu zählen vor allem:

  • Alter,
  • Rauchen,
  • Übergewicht,
  • Bluthochdruck,
  • Arteriosklerose und
  • Krebserkrankungen.

Informieren Sie Ihren Frauenarzt also unbedingt über Vorerkrankungen oder ein erhöhtes familiäres Krebsrisiko. Nur so kann er abschätzen, ob und welche Hormone für Sie persönlich geeignet sind. Jetzt liegt es an Ihnen. Wägen Sie Nutzen und Risiko gut ab. Wenn Sie noch unsicher sind, lassen Sie sich mit der Entscheidung Zeit oder holen Sie eine zweite Meinung ein.

Wann ist eine Hormonersatztherapie ausgeschlossen?

Bei bestimmten Vorerkrankungen dürfen Hormone nicht oder nur unter sehr strenger Risiko-Nutzen-Abwägung gegeben werden. Auch das Alter entscheidet darüber, ob eine HRT sinnvoll ist. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat dazu im Jahr 2015 gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften eine Empfehlung herausgegeben (2).

Demnach darf eine HRT nicht angewendet werden bei

  • Krebserkrankungen, wie Brustkrebs oder Eierstockkrebs, da die Hormone das Wachstum von Tumorzellen fördern können;
  • Thrombosen, da eine HRT das Thromboserisiko erhöht;
  • Lebererkrankungen.

Wichtig für Sie:

Sie sind bereits über 60?  In diesem Fall ist das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombose höher als bei Frauen jüngeren Alters. Die Einnahme einer HRT sollte entsprechend sorgfältig abgewägt werden. Dies gilt grundsätzlich auch für alle Frauen, die bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Diese Hormone werden zur „Ersatztherapie“ eingesetzt

Natürliche Hormone, niedrigste Dosierungen und individuelle Anpassungen – in der Hormonersatztherapie hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Es stehen heute natürliche Hormone aus der Gruppe der Östrogene sowie Gestagene zur Verfügung.

Vorteil dieser natürlichen Hormone ist, dass sie eine identische Struktur mit den körpereigenen Hormonen aufweisen. Sie werden deshalb auch bioidentische Hormone genannt. Die Therapie wird dabei aber nicht mehr als „natürlicher Ersatz“ von Hormonen verstanden, sondern als eine medikamentöse Therapie. Deshalb wird die Hormonersatztherapie inzwischen manchmal auch als Hormontherapie bezeichnet. Wie alle Hormonpräparate müssen auch diese von einem Arzt verschrieben werden.

Hormontherapie gegen Östrogenmangel

Präparate bestehend aus einer Kombination von Östrogen und Gestagen werden am häufigsten verwendet. Besitzt eine Frau noch ihre Gebärmutter, wird generell ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen eingesetzt. Nur so kann die Schleimhaut der Gebärmutter vor der Entstehung von Wucherungen geschützt werden. Wurde die Gebärmutter entfernt, reicht eine Monotherapie mit einem reinen Östrogen-Präparat.

Überblick über die Präparate: Gele, Pflaster, Spritzen und Tabletten

Zur Hormonersatztherapie werden diverse Östrogen- und Gestagen-Präparate in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Dazu zählen Gele, Pflaster, Spritzen, Tabletten und Kapseln. Welche Hormonersatztherapie die beste für Sie ist, wird individuell zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt abgestimmt.

Bei den Hormontabletten wird anhand verschiedener Faktoren darüber entschieden, welche Hormonkombination und Dosierung in den Wechseljahren eingenommen werden sollte. Tabletten und Kapseln werden meist täglich eingenommen. Die Östrogen-Tablette wird als Monotherapie bei Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, eingesetzt. Die Gestagen-Tablette ist für Frauen mit vorhandener Gebärmutter, die zusätzlich Östrogen über die Haut verabreicht bekommen. Die Kombi-Tabletten gibt es in unterschiedlichen Dosierungen und mit verschiedenen Gestagenen.

  • Hormonhaltige Gele werden 1x täglich auf die Haut aufgetragen.
  • Pflaster müssen 1-2x wöchentlich erneuert werden. Sie kleben so gut, dass Duschen, Baden und Sport bei korrekter Anwendung möglich sind.
  • Nasenspray wird 1x täglich angewendet. Manche Frauen verspüren bei der Anwendung ein leichtes Kribbeln in der Nase.
  • Mit Hormonspritzen wird ein Hormondepot im Körper angelegt. Dieses wird alle 4 Wochen durch Injektion in Gesäß- oder Oberarmmuskel erneuert.
  • Cremes und Zäpfchen eignen sich bei vaginalen Beschwerden, wie Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Sie werden vaginal angewendet.
Phytohormone
Wenn Bestandteile von Pflanzen wie Hormone wirken? Wann und welche Phytohormone Beschwerden in den Wechseljahren lindern.

Wichtig für Sie:

Wählen Sie nach Abwägen von Nutzen und Risiken zusammen mit Ihrem Arzt die Hormontherapie aus, die für Ihre Bedürfnisse optimal ist.

Wechseljahre ohne Hormone: pflanzliche Mittel

Manche Frauen sind sich unsicher, ob sie Hormone nehmen sollen oder nicht. In diesem Fall können pflanzliche Mittel eine gute Alternative zur klassischen Hormonersatztherapie sein. Einige Pflanzen enthalten Substanzen, die im menschlichen Körper hormonähnlich wirken können. Diese werden als Phytoöstrogene oder Phytohormone bezeichnet.

Ein Beispiel hierfür sind Präparate auf Sojabasis. Die Sojabohne enthält große Mengen der gelblichen Pflanzenfarbstoffe Isoflavone. Diese können ausgleichend auf einen Östrogenmangel wirken. Es wird vermutet, dass die sojareiche Kost in asiatischen Ländern der Grund dafür ist, dass asiatische Frauen generell weniger an Wechseljahresbeschwerden leiden. Isoflavone wirken unter anderem gegen Hitzewallungen und reduzieren möglicherweise das Risiko von Frauen, an Osteoporose zu erkranken.

Wer gänzlich auf hormonartig wirkende Mittel verzichten möchte, kann auf Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) zurückgreifen. Dieses pflanzliche Arzneimittel hat den Vorteil, dass die Wirksamkeit vermutlich nicht auf einem hormonellen Effekt beruht (1, 2). Vielmehr scheint es direkt im zentralen Nervensystem zu wirken.

Wichtig für Sie:

Präparate der Traubensilberkerze sind bereits zur Behandlung von klassischen Wechseljahresbeschwerden bewährt. Vor allem Symptome wie Hitzewallungen und übermäßiges Schwitzen werden damit wirksam behandelt.

Quellenangaben

  1. Beer AM, Neff A. Differentiated Evaluation of Extract Specific Evidence on Cimicifuga racemosa’s Efficacy and Safety for Climacteric Complaints. Evid Based Complement Alternat Med 2013; 2013: 860602
  2. European Medicines Agency (EMA). HMPC “Assessment report on Cimicifuga racemosa (L.) Nutt., rhizoma Draft-Revision” (EMA/HMPC/48744/2017; 18 July 2017 Committee on Herbal Medicinal Products [HMPC]). 2017. 1-64